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Forschungsstelle für Türkisches Recht

Bekanntlich sind die internationalen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei ausgesprochen intensiv; gleichermaßen gilt dies für die Völker und Menschen beider Länder.

Die Wurzeln dieser Beziehungen beruhen insbesondere auf den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, als eine Vielzahl türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen ist. Wenn auch ein Teil der Gastarbeiter wieder in die Türkei zurück gegangen ist, leben die meisten türkischstämmigen Mitbürger zwischenzeitlich in der dritten und vierten Generation in Deutschland, zum Teil durch Einbürgerung als deutsche Staatsangehörige türkischer Abstammung. Auch gibt es viele Ehen und Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Deutschen und Türken. Dies gilt gleichermaßen für beide Länder, als es gemischte Ehen sowohl in Deutschland als auch der Türkei gibt.

All diese Personen haben rechtliche Berührungspunkte bzw. Fragestellungen mit dem Familienrecht, Erbrecht und Internationalen Privatrecht sowohl der Bundesrepublik Deutschland als auch der Türkei.

Auch die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei haben ein beträchtliches Maß angenommen, als etwa im März 2013 der Import türkischer Güter in Deutschland 1.154 Mrd. Dollar betrug; der Export betrug im gleichen Zeitraum 2.035 Mrd. Dollar (siehe hierzu www.tuik.gov.tr).

Zu beobachten ist auch, dass die Anzahl von Unternehmensgründungen deutscher und türkischer Unternehmen im jeweils anderen Land deutlich angestiegen ist mit der Folge und dem Bedürfnis, die Rechtssysteme beider Länder eingehend kennen zu lernen. Schließlich ist die Grundlage einer Investitionsentscheidung neben der Wirtschaftlichkeit auch das Vertrauen in die Politik und das Rechtssystem des Investitionslandes.

Diese Ausgangslage hat uns dazu motiviert, eine Forschungsstelle für türkisches Recht zu gründen, die sich den oben skizzierten Fragestellungen und den entsprechenden Lösungen, oftmals mit Rechtsvergleichung zum deutschen und ggf. europäischen Recht widmet. Konkret sollen daher folgende Vorhaben umgesetzt werden:

  • Blockveranstaltungen – gerichtet an Studenten – zum türkischen Recht, zum Teil auch rechtsvergleichend.
  • Symposien – gerichtet an Studenten und Praktiker – (z.B. zum Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, Familien- und Erbrecht); angedacht ist, dass diese z.B. im Bereich des Wettbewerbsrecht in Kooperation mit dem türkischen Kartellamt erfolgen können, im Bereich des Arbeitsrechts wiederum mit einer Arbeitgebervereinigung (z.B. Arbeitgebervereinigung der Textilindustrie).
  • Annahme deutsch-türkischer Promotionen.
  • Anlaufstelle für die Lösung türkischer Rechtsprobleme (Erstellung von Rechtsgutachten zum türkischen Recht, z.B. zum türkischen Familienrecht, Erbrecht, Wirtschaftsrecht), z.B. auch für deutsche Gerichte; hierdurch nehmen die Herren Prof. Dr. Mathias Rohe, M.A., Prof. Dr. Ali Yarayan sowie Prof. Dr. Kemal Şenocak, LL.M., Sachverständigenpositionen bei Gerichten ein.
  • Ausweitung der türkischen Fachliteratur, damit rechtsvergleichende Arbeiten an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erstellt werden können.

In Zukunft ist dann geplant, folgende Aspekte mit abzudecken:

  • Kompetenzstelle für EU-Programme hinsichtlich der Konformität türkischen Rechts mit EU-Bestimmungen.
  • Masterprogramm für Studierende, ggf. in Form von Blockveranstaltungen in der Türkei und in Deutschland.
  • Masterprogramm für Absolventen, ggf. in Form von Blockveranstaltungen in der Türkei und in Deutschland.
  • Schriftenreihe zum türkischen Recht, ggf. auch rechtsvergleichend mit dem deutschen Recht.

Personell wird die Forschungssstelle für türkisches Recht von den Herren Prof. Dr. Mathias Rohe, M.A., Prof. Dr. Ali Yarayan sowie Prof. Dr. Kemal Şenocak, LL.M., betrieben.